Soziales Lernen

Was ist soziales Lernen?
Um das soziale Miteinander in der Klasse zu regeln, um Sozial- und Methodenkompetenz zu vermitteln, um auf zukünftige Anforderungen der Berufswelt vorzubereiten, müssen heute soziale Kompetenzen gezielt vermittelt und soziales Lernen gezielt organisiert werden. Über soziale Kompetenz verfügt derjenige, der erfolgreich selbstständiglernen, sein Wissen konstruktiv nutzen und gemeinsam mit anderen erfolgreich handeln kann.

Überall sind sich Eltern, Lehrkräfte und Schüler darin einig, dass hinsichtlich des sozialen Miteinander in der Schule mehr Anstrengungen unternommen werden müssen. Die allgemein verbindlichen Lehrpläne der Kultusministerien fordern seit jeher die Vermittlung sozialer Kompetenzen. Dennoch ergibt sich "soziales Lernen" im Schulalltag eher situativ, beiläufig oder in einzelnen Projekten und ist dem individuellen Interesse und Engagement der Lehrkräfte bzw. von Schulen überlassen.

 

Fach Soziales Lernen

Je stärker sich in der Gesellschaft Tendenzen zur Individualisierung und Entsolidarisierung durchsetzen, desto notwendiger ist es, soziales Lernen in der Schule systematisch zu fördern!

An der Mornewegschule hat sich in den 90er Jahren aus einem Arbeitskreis von Lehrkräften, Eltern und Schülern zum Thema "Gewalt an der Schule" das Bedürfnis nach einer Veränderung des Umgangs in der Schule herausgebildet. Kolleginnen besuchten Veranstaltungen des Modellprojekts "Mediation und Schulprogramm" und stellten den Ansatz auf einer Konferenz vor. 

Daraufhin beschloss das Kollegium, mit allen Schülern und Schülerinnen ein Programm durchzuführen, das auf dem Gedanken der Mediation als Weg der Konfliktlösung aufbaut. Anstelle einiger Projekttage in den Klassen 5 und 6 sollte ein Unterrichtsfach "Soziales Lernen" entstehen. Eine Gruppe von Kolleginnen entwickelte ein entsprechendes Konzept, das seit dem Schuljahr 2001/02 kontinuierlich umgesetzt wird. Es sieht vor, dass im Jahrgang 5 und 6 jede Woche in einer Doppelstunde das "Soziale Lernen" stattfindet. Die Stunden werden von zwei Lehrkräften unterrichtet, weil sich viele Methoden nur in Gruppen von ca. 12 Schülern durchführen lassen. Viele Themen tangieren persönliche Bereiche der Schüler, die intensivere Auseinandersetzung erfordert den Einsatz von zwei Lehrkräften.

Die Zielsetzung des Faches "Soziales Lernen" ist die Erziehung zu Gewaltfreiheit, Friedensfähigkeit und sozialer Verantwortlichkeit. Wir streben damit an, dass das Schulklima durch einen kooperativen und konstruktiven Umgang gekennzeichnet ist, in dem produktiv gelernt werden kann.

An Methoden stehen Gruppenspiele, Kleingruppenarbeit und kreativer Umgang mit den Themen im Vordergrund, am Ende jeder Einheit steht eine Feedback-Phase, um das Gelernte individuell bewerten und in einen größeren Zusammenhang einordnen zu können. Der Einstieg in das "Soziale Lernen" wird intensiviert durch die dreitägige Kennenlernfahrt zu Beginn der 5. Klasse, während der externe Kräfte gemeinsam mit den Klassenlehrerinnen erste spielerische Übungen zu den Themen "Wir lernen uns kennen" und "Wie wollen wir miteinander leben ?" durchführen. Im 2. Hj. der Klasse 6 wird die Idee des Sozialen Lernens im Präventionsprojekt mit außerschulischen Trainern fortgeführt.

 

Buddy-Projekt

Das Buddy-Projekt ist ein Programm zur Verbesserung des sozialen Klimas in den Klassen und der Schule beruht auf den drei Säulen:

Peergroup-Education
Gleichaltrige sind näher am Geschehen, an der Lebenswelt ihrer Freunde, als jeder Erwachsene. Freunde oder Freundinnen genießen das Vertrauen. Sie hören zu, fragen nach, helfen und unterstützen. Den großen Einfluss, den Gleichaltrige auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen haben, macht sich die Peergroup-Education zu Nutze. Sie bezieht die Problemlösungskompetenzen der "Peers", also der Gleichgesinnten, Gleichaltrigen, in den Erziehungsprozess mit ein und ist die wichtigste Säule des Buddy-Projekts. Im Zentrum steht das "Empowerment", das heißt die Befähigung der Jugendlichen, als Experten für ihre eigenen Belange zu handeln. Fünftklässler schauen sich beispielsweise von Paten aus der 9. Klasse Tipps und Tricks ab, um sich in der neuen Schule zurechtzufinden. Streithähne lernen von Pausenbuddys, ihre Konflikte auf dem Pausenhof friedlich auszutragen. Und manchmal erklärt ein Gleichaltriger die Mathematikaufgabe viel besser als ein Lehrer.

Lebensweltorientierung
Die Schüler erwerben ihre Kompetenzen nicht in der Diskussion abstrakter Modelle, sondern an Fragen, die sie sich im Schulalltag ohnehin stellen: Wie kann ich meinem Freund helfen, der immer von den anderen geärgert wird? Wie können wir das Rauchen auf dem Schulhof verhindern - ohne "uncool" zu sein? In diese alltäglichen Probleme sind Kinder und Jugendliche selbstverständlich involviert. Die Lösung dieser Probleme gibt ihnen das Gefühl, ihre Kompetenz als Helfer einzusetzen und als Person wirksam zu sein. Das Buddy-Projekt ist also kein Lernen in Laborsituationen, sondern Schüler und Lehrer entscheiden gemeinsam, was für sie relevant ist und was sie im Rahmen eines Praxisprojekts bearbeiten wollen.

Systemischer Ansatz
Wie in einem Mobile hat der Anstoß eines Elements des Systems Schule Auswirkungen auf die anderen Elemente. Wenn eine Schule sich für das Buddy-Projekt entscheidet, beeinflusst diese Entscheidung die beteiligten Schüler und Lehrer, die Klasse, die Klassenstufe usw. Im Buddy-Projekt steht somit nicht das Individuum mit seinen Verhaltensweisen im Vordergrund, sondern die Interaktion zwischen den Beteiligten und die Auswirkungen auf das System Schule.

Was wollen wir tun?
Wir haben uns vorgenommen, die Vorhaben, die im Rahmen des BLK-Projekts auf den Weg gebracht wurden, weiter zu entwickeln. So möchten wir noch mehr Kolleginnen und Kollegen in die Durchführung des Fachs  "Soziales Lernen" im 5. und 6. Schuljahr einbeziehen. Dies könnte durch eine schulinterne Fortbildung oder verstärkte Koordination erreicht werden. Das für unsere
Schule entwickelte Curriculum soll so ausgearbeitet werden, dass es für alle interessierten Kolleginnen und Kollegen benutzbar ist. Wir möchten die Durchführung des Klassenrats verbessern, da hier in vielen Klassen noch viele Unsicherheiten bestehen. Unser bisheriges Konzept soll überarbeitet werden. Im Sinne des buddy-Prinzips ist daran gedacht, auch hier Schüler und Schülerinnen, die z.B. über Kompetenzen zur Gesprächsleitung verfügen und das Anliegen des Klassenrats vertreten, als Helfer in anderen Klassen einzusetzen. Genaueres Informationsmaterial soll den Lehrkräften ermöglichen, die Schüler im Klassenrat zu unterstützen. Sechs Schülerinnen haben bereits die erste Stufe der Ausbildung als Streitschlichtergeschafft. Sie können selbstständig Pausen - Streitschlichtungen durchführen. Weitere Schüler befinden sich in Ausbildung, sie können aber bereits jetzt als Schulhof - Buddies eingesetzt werden. Das Streitschlichter-Programm muss durch viele Aktionen noch bekannter werden und benötigt noch breitere Unterstützung im Kollegium.

 

Streitschlichter

"Was ist passiert?" "Was wolltest du damit erreichen?" "Wie hast du dich gefühlt?" "Was wünschst du dir?" "Was kannst du dazu tun?" Das sind die Fragen, die Anke und Jonas Mitschülern stellen, wenn sie in den Streitschlichterraum gekommen sind, um eine Auseinandersetzung zu klären? Anke und Jonas gehören zum Streitschlichterteam der Mornewegschule, einer Gruppe von Schülern und Schülerinnen, die sich darin ausbilden ließen, wie man bei Streitigkeiten vermittelt und eine einvernehmliche Lösung erzielt. Dahinter steckt die Überzeugung, dass Gleichaltrige auf einer Wellenlänge liegen und von Mitschülern eher einen Rat annehmen als von Lehrkräften.

Die Streitschlichtergruppe trifft sich einmal pro Woche, um ihre "Fälle" zu besprechen. Sven berichtet von einem Jungen, der gehänselt wird und immer wieder beim Fußball spielen in der Pause ausgeschlossen wird. Im Streitschlichtertraining stellen die Schüler das Schlichtungsgespräch in einem Rollenspiel dar. Sven spielt den Jungen, Ahmet den Streitschlichter, die anderen beobachten. Nicht alle Fälle können von den Streitschlichtern behandelt werden. Liegen den Konflikten z.B. familiäre Konflikte zugrunde oder geht es um Straftaten, müssen die Streitschlichter den Fall an KOMM oder die Beratungslehrerin weiterleiten.